Warum hier? Im Rothschild-Artikel steht: Mehrheitseigentümer des Economist ist die Agnelli-Familie über Exor (~43,4 %). Das ist ein klarer Gegenbeleg zu Knechtels These, der Economist gehöre den Rothschilds. Dieser Artikel zeigt wer die Agnellis tatsächlich sind – damit der Leser selbst einschätzen kann, ob Exors Economist-Anteil harmlose Kapitalanlage oder ein Machtinstrument ist.

👤 Wer sind die Agnellis?

Italienische Industriellenfamilie aus Turin, gegründet auf dem Autokonzern Fiat (gegründet 1899 von Giovanni Agnelli senior). Heute eine der reichsten und einflussreichsten Dynastien Europas.

| Person | Rolle | Relevanz | |
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| | Giovanni Agnelli (1866–1945) | Fiat-Gründer, Senator | Aufbau des Familienimperiums | | Gianni Agnelli (1921–2003) | CEO Fiat, Gesellschaftsikone | Freundschaften mit Kissinger, Rockefellers, Rothschilds; Bilderberg-Teilnehmer | | John Elkann (*1976) | CEO Exor, Chairman Stellantis & Ferrari | Aktueller Kopf der Familie; orchestrierte Economist-Kauf 2015 |

🏢 Exor – das Holding-Konstrukt

Exor N.V. ist die Holdinggesellschaft der Agnellis, registriert in den Niederlanden (Amsterdam), notiert an der Euronext Amsterdam. Mehrheitseigentümer von Exor: Giovanni Agnelli B.V. (Familiengesellschaft), hält 56,9 % des Kapitals und 86 % der Stimmrechte.

Wichtige Exor-Beteiligungen (Stand 2026): | Unternehmen | Anteil | Sektor | |
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| | Stellantis (Fiat, Chrysler, Peugeot, Jeep…) | Größter Aktionär | Automobilindustrie | | Ferrari | ~25 % (größter Aktionär) | Luxus-Automotive | | The Economist Group | 43,4 % | Medien | | GEDI Gruppo Editoriale (La Repubblica, La Stampa) | 100 % | Medien | | Philips | 15 % | Gesundheitstechnologie | | Christian Louboutin | Minderheitsbeteiligung | Luxus | | Juventus FC | 63,8 % | Sport |

Gesamtvermögen Exor: ca. 25–30 Milliarden Euro (2025).


📰 Economist – die entscheidenden Fakten

Chronologie:

- Bis 2015: Pearson (britischer Bildungsverlag) hielt 50 %, Rothschild-Familie 26,7 %, weitere Familien (Cadbury, Layton, Schroders) kleinere Anteile - August 2015: Pearson verkauft seinen 50 %-Anteil für £469 Millionen. Exor kauft 43,4 % für £287 Millionen. Exor wird größter Einzelaktionär. - Oktober 2025: Lynn Forester de Rothschild kündigt Verkauf des gesamten Rothschild-Anteils (26,7 %) an. Berater: Lazard. Käufer: zum Zeitpunkt der Abfassung noch offen.

Strukturelle Besonderheit: Die Economist-Verfassung verbietet jede Einzelmehrheit. Der Economist hat zudem einen unabhängigen Aufsichtsrat, der redaktionelle Unabhängigkeit gewährleisten soll. Exor-CEO John Elkann sitzt zwar im Verwaltungsrat – aber nicht in der Chefredaktion. Was bedeutet 43,4 % Exor-Anteil in der Praxis?

Exor hat kein Recht, die Chefredaktion einzusetzen oder redaktionell einzugreifen. Der Economist wurde seit 2015 nicht spürbar Exor-freundlicher. Ferrari und Stellantis werden vom Economist genauso kritisch behandelt wie andere Unternehmen. Das ist kein Beweis für völlige Unabhängigkeit – aber ein Indiz dafür, dass die strukturellen Garantien zumindest funktionieren.


🕸 Verbindungen – was ist belegt?

| Verbindung | Fakt-Level | Einordnung | |
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| | Gianni Agnelli kannte Kissinger, Rothschilds, Kennedys persönlich | Hoch – dokumentiert | Europas Establishment ist klein; persönliche Bekanntschaften ≠ Koordination | | Gianni Agnelli nahm an Bilderberg-Konferenzen teil | Hoch – Teilnehmerlisten | Bilderberg ist gut dokumentiert. Ob er dort „koordiniert" wurde: kein Beleg | | Exor kaufte Economist-Anteil 2015 strategisch | Hoch | Eigene Darstellung: Interesse an Wachstum im Digitalen. Kein Beleg für politische Steuerungsabsicht | | Agnellis beeinflussten Economist-Redaktion | Nicht belegt | Kein dokumentierter Fall redaktioneller Einflussnahme seit 2015 |

⚖️ Für die Knechtel-These: Entlastet oder belastet?

Knechtels These lautet: Der Economist ist ein Rothschild-Instrument. Die Fakten zeigen: Der Economist ist seit 2015 primär ein Agnelli-Instrument (größter Anteil). Die Rothschilds verkaufen gerade ihren Anteil.

Das bedeutet nicht, dass der Economist „neutral" ist – kein großes Medienunternehmen ist das. Exor ist eine der mächtigsten europäischen Holdinggesellschaften, und ihr CEO John Elkann ist Teil eines globalen Netzwerks aus Industrie, Finanz und Politik.

Es bedeutet aber, dass die spezifische These „Rothschilds steuern den Economist für ihre messianische Agenda" faktisch nicht mehr tragfähig ist – unabhängig davon, was man von den Rothschilds hält.

Ockham: Exor hält Economist-Anteile aus denselben Gründen, aus denen sie Ferrari, La Repubblica und Christian Louboutin halten: Renditechancen + Reputationsgewinn + Netzwerkzugang. Das ist korporative Kapitallogik, keine okkulte Agenda.

📚 Quellen

- Exor.com – Eigenangaben Beteiligungen - The Economist Group – Eigenangaben Eigentümerstruktur - Axios, 7. Oktober 2025: Rothschild verkauft Economist-Anteil - Pearson-Pressemitteilung August 2015: Verkauf Economist-Anteil an Exor - Wikipedia: Exor (company)) – Beteiligungsübersicht


Version: 1.0 | Erstellt: 2026-02-19 | Akteur-Evaluation für Die Rothschilds – Knechtels Kernthese